Review 2025
- Franziska Julia Baumann
- 20. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Rückblick auf 2025 – ein Jahr der Entscheidungen, des Loslassens und des Wachsens
Wenn ich auf 2025 zurückblicke, fühlt es sich an wie ein Jahr mit vielen inneren und äußeren Bewegungen. Ein Jahr, in dem ich viel getragen habe – Verantwortung, Zweifel, Hoffnung – und in dem ich gleichzeitig begonnen habe, mich selbst ernst zu nehmen.
Beruflich war das Jahr vor allem geprägt durch meine Arbeit als Tagesmutter. Bis August habe ich zwei Tage die Woche in der Kindertagespflege gearbeitet, immer mit meinem Sohn an meiner Seite. Er war zu diesem Zeitpunkt zwischen einem und eineinhalb Jahre alt – ein sensibles Alter, mit einem sehr eigenen Schlafrhythmus. Er stand früh auf, brauchte früh seinen Mittagsschlaf, und jeder Tag war ein Balanceakt. Ein ständiger innerer Konflikt zwischen den Bedürfnissen der anderen Kinder und denen meines eigenen Sohnes. Ich hab mich zerissen gefühlt - es war echt hart und oft scheiße.
Die Arbeit an sich hätte mir Freude gemacht. Die Kinder, die Familien, die Beziehung – all das war schön. Aber die Realität mit dem eigenen Kind in diesem System war zermürbend. Immer wieder das Gefühl, meinem Sohn nicht gerecht zu werden, seine Bedürfnisse hinten anstellen zu müssen, um für die anderen da zu sein. Das hat mich innerlich zerrissen. Im Mai habe ich deshalb die Entscheidung getroffen, aufzuhören.
Es war keine leichte Entscheidung. Kurzzeitig stand sogar im Raum, sofort aufzuhören. Doch ich hatte vier unglaublich liebe Familien, die mir ihr Vertrauen geschenkt hatten und auf mich gebaut haben. Mir war bewusst, dass meine Entscheidung nicht nur mein Leben beeinflusst, sondern auch ihres. Gerade in der Kindertagespflege hängen Existenzen, Organisation des Alltags und finanzielle Sicherheit oft an einer einzigen Betreuungsperson. Deshalb habe ich mich entschieden, das Jahr für diese Familien zu Ende zu bringen.
Und bei aller Schwere hatte diese Zeit auch ihre guten Seiten. Ich konnte Geld verdienen und gleichzeitig bei meinem Sohn sein. In Rosenheim ist die Arbeit als Tagesmutter finanziell gut aufgestellt, und die Stadt unterstützt Tagesmütter sehr. Besonders dankbar bin ich für die zuständige Ansprechpartnerin der Stadt – eine warmherzige, fürsorgliche Frau, die diesen Beruf wirklich mitträgt.
Trotzdem habe ich schweren Herzens den Schritt in die Unsicherheit gewagt: kein festes Einkommen mehr, stattdessen Leben vom Ersparten. Parallel dazu habe ich Ende August meine Ausbildung zur Stillberaterin abgeschlossen. Bereits Ende 2024 hatte ich mir meine Internetseite aufgebaut – als Doula, Stillberaterin und Mütterpflegerin – ohne genau zu wissen, wohin sich all das entwickeln würde.
Rückblickend fühlt es sich an, als hätte sich damit ein Feld geöffnet. Im September durfte ich bereits eine Mama begleiten, im Oktober tat sich erneut etwas auf, und gegen Ende des Jahres ergab sich sogar eine Doula-Begleitung. Diese neue Selbstständigkeit darf nun langsam wachsen und das erfüllt mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit.
Ein großes Herzensprojekt dieses Jahres war mein Buch. Ein Buch über Stillen. Es sollte meine Abschlussarbeit werden und wurde so viel mehr. Kein klassischer Ratgeber, sondern ein Begleiter für werdende Mamas, die sich eine bewusste, tragende Stillbeziehung wünschen. Denn Stillen beginnt nicht erst mit dem Anlegen. Es beginnt in der Schwangerschaft. Mit Nährstoffen. Mit der Geburt. Mit Wissen, Vertrauen und Vorbereitung. Von Soforthilfetipps über das Abpumpen bis hin zum Abstillen – all das hat darin Platz gefunden.
Ich hätte dieses Buch bei meinen ersten beiden Kindern so sehr gebraucht. Ironischerweise wurde ich erst Stillberaterin, als mein Sohn fast zwei war – da war er bereits abgestillt. Beim dritten Kind würde ich alles anders machen. Dann würde ich mein eigenes Buch lesen :D
Zusätzlich habe ich einen Stillvorbereitungskurs erarbeitet, den ich 2026 anbieten werde. Aktuell arbeite ich außerdem an einem Geburtsvorbereitungskurs, der bewusst weniger auf Anatomie setzt und stattdessen auf aktive Hilfe unter der Geburt, auf Vorbereitung jenseits dessen, was man in klassischen Kursen oft vermittelt bekommt.
2026 war aber nicht nur Arbeit und Entwicklung, sondern auch Begegnung und Leben. Ich durfte so viele wunderbare Menschen kennenlernen. Wir hatten mehrere Urlaube: mit meiner Mutter im Bayerischen Wald, mit Hallenbad direkt vor der Tür – eine große Erleichterung mit Kindern. Einen besonders schönen Urlaub hatte ich mit meinem Mann in Rimini. Vorsaison, wenig Trubel, perfektes Wetter, das Meer. Es war einer der schönsten Urlaube seit Langem, einfach weil Raum war, zu sein. Außerdem war ich mit Freundinnen auf einem Bauernhof – diese Art von einfachen, ehrlichen Auszeiten, die so viel nähren.
Zum Ende des Jahres hin kam noch eine weitere berufliche Verbindung hinzu: die Zusammenarbeit mit einer Firma im Bereich Nährstoffe, mit einem besonderen Fokus auf Omega-3. Ein Nährstoff, der in meinen Augen massiv unterschätzt wird. Omega-3 ist eine Basis. Das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 beeinflusst unsere Zellmembranen und wenn dieses Verhältnis, wie bei rund 90 % der westlichen Gesellschaft, aus dem Gleichgewicht ist, können Zellen Nährstoffe gar nicht richtig aufnehmen. Dieses Wissen fließt nun auch in meine Arbeit als Stillberaterin mit ein.
Nun klingt das Jahr langsam aus. Wenn ich zurückblicke, sehe ich ein Jahr voller Entscheidungen, Zweifel, Mut und Wachstum. Und wenn ich nach vorne schaue, blicke ich mit freudiger Erwartung auf 2027 – wissend, dass ich Schritte gegangen bin, die sich richtig anfühlen. Schritt für Schritt, näher zu mir.
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